mauerEin Mann hatte eine Mauer. Die war ihm hinderlich. Da ging er los und kaufte einen Hammer. Wieder zu Hause, legte er den Hammer in eine Ecke. Morgen wollte er sich an die Arbeit machen. Dann ging er zu Bett. Am nächsten Morgen erwachte er. Er betrachtete den Hammer und die Mauer. Der Hammer war ein wirklich einfaches, zweckmäßiges, beeindruckendes Werkzeug. Seit der Erfindung des Faustkeils war es im Prinzip gleich geblieben – das prototypische menschliche Werkzeug, Symbol des Werkzeugs an sich. Von Faustkeil bis Hammer, von Hammer und Amboss bis Hammer und Sichel – der Hammer hatte in Geschichte, Philosophie und Literatur Spuren hinterlassen. Philosophen und Schriftsteller hatten über dieses Werkzeug vielfach geschrieben, ihrer Begeisterung Ausdruck verliehen, ihm einen würdigen Platz im kollektiven Gedächtnis der Menschheit verschafft. Der Mann versuchte, selbst einen kurzen Text über den Hammer zu verfassen, allein: Ihm fehlten die Worte. Sein eigenes Ringen um Worte – nur der klägliche Versuch etwas auszudrücken, was bereits vielfach ausgedrückt worden war. Da ging er los und suchte. Er entdeckte Werke, Schriftstücke, Zitate, die den Hammer, diesen treuen Begleiter der Menschheit seit Anbeginn, trefflich beschrieben, greifbar machten, ins rechte Licht rückten. Der Mann sah die Menschheitsgeschichte im Zeitraffer vor sich: Tatsächlich hatte der Hammer die Menschen begleitet – seit dem Neolithikum bis in die Moderne, von der Höhle bis in den Baumarkt. Der Mann versuchte weiterhin, seiner Begeisterung über diese Erkenntnis Ausdruck zu verleihen, versuchte die Geschichte und die Geschicke der Menschheit entlang der Geschichte des Hammers in kurze Texte zu fassen und in Worte zu kleiden.