mauerEin Mann hatte eine Mauer. Die war ihm hinderlich. Da ging er los und kaufte einen Hammer. Wieder zu Hause, legte er den Hammer in eine Ecke. Morgen wollte er sich an die Arbeit machen. Dann ging er zu Bett. Am nächsten Morgen erwachte er. Er betrachtete den Hammer und die Mauer. Er fühlte, wie Wut und Trauer in ihm aufstiegen. Das sah ihm ähnlich: Einen Hammer kaufen, den ersten Schritt tun, endlich aktiv werden – und dann doch wieder bremsen, verschieben, verzögern. Weshalb hatte er nicht gestern gleich angefangen? Weshalb hatte er gestern den Hammer in die Ecke gelegt? Weshalb hatte er die Arbeit wieder auf ein Morgen verschoben? Der Mann war wütend, wütend auf sich selbst. So konnte das nie etwas werden. Er griff den Hammer und schleuderte ihn in die Ecke. Der Hammer traf eine Stehlampe, Glas splitterte. Der Mann wurde noch wütender. Unendlich traurig und wütend. Er setzte sich auf einen Stuhl. Er fühlte eine große Müdigkeit in sich aufsteigen. Er war seiner Faulheit überdrüssig, seiner Trägheit, seiner Nachgiebigkeit. Er hatte es so satt, sein Zögern, seine Müdigkeit, sein Versagen. Er war ein Versager. Schon seit seiner Kindheit. So würde er es nie schaffen. So würde er es nie zu etwas bringen. Der Mann erinnerte sich an ähnliche Situationen. Situationen, in denen er ebenfalls zu lange gezögert, gezaudert, abgewartet hatte. Doch genug mit Selbstmitleid und Selbstanklage, Selbstbeschimpfung. So konnte es nicht weitergehen. Wer sich selbst fertigmachte, der würde nie etwas tun. Der Mann beschloss, sich etwas Gutes zu tun, sein Selbstbewusstsein zu stärken, sein Selbstwertgefühl zu steigern. Er kochte sich ein delikates Abendessen. Er räumte seine Wohnung auf, kehrte die Scherben der Lampe zusammen. Gönnte sich ein gutes Glas Wein und noch eines. Legte den Hammer in die Ecke. Morgen wollte er sich an die Arbeit machen. Morgen wollte er ins Tun kommen. Morgen wollte er sich zu einem Anti-Aufschieberitis-Training anmelden.