KI schreibt flüssig und überzeugend – ganz nach den Vorgaben eines möglichst präzisen Prompts. Doch zwischen Formulierung und echtem Verständnis liegt ein Unterschied: nämlich der zwischen Maschine und Geist.
Das ist kein Lamento im Sinne von „früher war alles besser“. Aber: Wer selber texten kann, muss der KI nicht alles glauben. Wie Sie KI nutzen, aber die Kontrolle über Inhalt und Form behalten, dazu 5 Tipps:

1. Prompting ist das neue Briefing
Wenn Sie schon einmal mit einer Agentur zusammengearbeitet haben oder eine Texterin oder Grafikerin gebrieft haben, dann können Sie auch prompten. Briefing und Prompten folgen demselben Prinzip: Je klarer der Auftrag, desto besser das Ergebnis.
Beschreiben Sie der KI also nicht nur, was sie tun soll, sondern auch für welche Zielgruppe, in welchem Stil und mit welchem Ziel. Ein guter Prompt darf gerne 10 bis 20 strukturierte Zeilen umfassen. So steuern Sie den Ton, die Relevanz und die Qualität. Erstellen Sie Prompt-Vorlagen für wiederkehrende Aufgaben und optimieren Sie diese in regelmäßigen Abständen.

2. Ihre Zielgruppe ist nicht die KI, sondern der Kunde
Ein bewährter Texter-Tipp lautet: Visualisieren Sie Ihre Zielgruppe beim Texten. In KI-Zeiten bedeutet das: Immer die Kundin, den Adressaten, die Empfänger*innen im Fokus! So nett das Chatten mit der KI sein mag, so freundlich die KI antwortet: Der Text muss der Zielgruppe gefallen. Sie haben früher einen Text auch nicht einfach durchgewunken, bloß weil der Texter oder die Texterin so nett war. Oder?
Machen Sie vor dem Prompten ein Mini-Brainstorming zur Zielgruppe – nicht nur die demografischen Daten sind wichtig, sondern vor allem Werte, Bedürfnisse, Ansprüche. Sie können auch von der KI eine Zielgruppenbeschreibung anfordern und prüfen, ob sie mit Ihrer Sicht auf die Zielgruppe übereinstimmt.

3. Beim Texten in Bewegung bleiben
Texten ist mehr als Tippen. Es ist Denken in Bewegung: sortieren, bewerten, verdichten. In der Zusammenarbeit mit der KI geben wir wichtige Denkschleifen aus der Hand. Das spart Zeit, bedeutet aber auch weniger kreativen Einsatz. Deshalb: Bleiben Sie mit dem Text in Bewegung.
Wechseln Sie bewusst zwischen Tools, zum Beispiel zwischen Perplexity, ChatGPT und DeepL Write. Drucken Sie einen Text auch mal aus, lesen sie nicht nur am Bildschirm.

4. Am Ende des Auftrags steht die Prüfung
KI ist selbstbewusst, nett und freundlich – auch wenn sie sich irrt. Das macht die Zusammenarbeit gefährlich. Umso wichtiger ist die Fähigkeit, Texte zu prüfen: Stimmen die Fakten? Sind die Quellen vertrauenswürdig? Ist die Argumentation schlüssig?
Nutzen Sie Tools wie GPTZero oder Copyleaks AI Detector, um zu prüfen, ob ein Text zu „maschinell“ klingt.
Lassen Sie sich von der KI auch kein Marketing-Blabla andrehen. Definieren Sie Ihre Begriffe, Ihren Wortschatz, neudeutsch „das Wording“. Natürlich können Sie dazu wiederum KI nutzen, um ein Glossar oder Wording-Manual zu erstellen. Wichtig ist nur, dass am Ende ein Mensch die Sprachregelungen prüft.

5. Selber lesen und selber texten
Der Kulturwissenschaftler Roberto Simanowski beschreibt KI als Gatekeeper in einer Bibliothek: „Das ist so, als würden wir der Bibliothekarin sagen, was uns interessiert, und sie zeigt uns nicht etwa den Weg zum entsprechenden Regal, sondern verstellt uns diesen und gibt gleich selbst die Antwort, denn sie kennt alle Bücher in ihrer Bibliothek auswendig.“ (Roberto Simanowski, Sprachmaschinen, Seite 30f).
Auch im beruflichen Kontext, auch wenn es schnell gehen muss, sollten wir den Weg zum Wissen ebenso wertschätzen wie das fertige Wissenspaket. Definieren Sie Ihr Zeitfenster für die KI-Nutzung, zum Beispiel 20 Minuten für ein Brainstorming. Danach: bewusst offline denken, um Abstand zu halten.